HEM Impuls Dokumentation
HEM IMPULS 1/2026
Günther Dissertori, Rektor der ETH Zürich
«Apertus: KI swiss made»
28. April 2026 17:05–18:30
Moderation: Barbara Fäh, Rektorin HfH
Transparenz und Offenheit in der KI gelten heute als essenziell – und doch basieren die meisten führenden Modelle auf intransparenten Trainingsdaten. Mit Apertus präsentieren ETH Zurich, EPFL und CSCS das erste vollständig transparente KI-Modell der Schweiz. In einem sich rasant entwickelnden Umfeld wird der Aufbau eigener Kompetenzen wie Apertus zu einer strategischen Notwendigkeit.
HEM IMPULS 3/2025
Nina Hug, Leiterin Hochschulkommunikation HfH
Steff Aellig & Dominik Gyseler, beide Wissenschaftskommunikation HfH
«Gesellschaftliche Verantwortung der Hochschulen – die Rolle der Hochschulen»
25. Novmeber 2025 17:05–18:30
Moderation: Barbara Fäh, Rektorin HfH
Wissenschaftskommunikation zwischen Neutralität und Orientierung
Hochschulen übernehmen eine zentrale Verantwortung für die gesellschaftliche Entwicklung. Dazu gehört nicht nur Forschung und Lehre, sondern auch der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Politik, Praxis und Öffentlichkeit. Die dritte Episode der HEM-Impulsreihe zeigt exemplarisch, wie die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) diese Aufgabe wahrnimmt und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Am Beispiel des HfH-Round-Tables zu den Förderklassen wird deutlich, wie anspruchsvoll die Positionierung in bildungspolitischen Fragen ist. Wissenschaftliche Institutionen sollen keine politischen Empfehlungen abgeben, aber fundierte Entscheidungsgrundlagen bereitstellen. Dies erfordert eine klare, ausgewogene Darstellung der Forschungslage sowie ein präzises Verständnis der unterschiedlichen fachlichen und gesellschaftlichen Perspektiven.

Komplexität verständlich machen und über geeignete Kanäle verbreiten
Im Zeitalter der kurzen Antworten und der generativen KI besteht die Gefahr, dass komplexe Themen zu stark vereinfacht werden. Wissenschaftskommunikation muss daher zwei Anforderungen zugleich erfüllen: Themen inhaltlich korrekt einordnen und gleichzeitig so aufbereiten, dass sie für eine breite Öffentlichkeit nachvollziehbar bleiben. Die Aufarbeitung der Förderklassen-Initiative zeigt, wie wichtig ein differenziertes Verständnis der Fakten ist, um blinde Flecken zu vermeiden und Missverständnisse zu reduzieren.
Die HfH nutzt verschiedene Kommunikationskanäle, um ihre Erkenntnisse zugänglich zu machen: von wissenschaftsjournalistisch aufbereiteten Inhalten auf der Website über multimediale Formate bis hin zu kompakten Beiträgen auf Social Media. Ziel ist es, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen – Fachpersonen, Politik und Praxis ebenso wie die breite Öffentlichkeit.
Dr. Nina Hug, Dr. Steff Aellig und Dr. Dominik Gyseler verdeutlichen in ihrem Beitrag, wie Wissenschaftskommunikation an der HfH konzipiert und umgesetzt wird. Dabei wird sichtbar, dass sie nicht nur eine kommunikative Aufgabe ist, sondern ein strategisches Anliegen: Sie schafft Zugänge, ermöglicht Dialog, stärkt Vertrauen und unterstützt evidenzbasierte Entscheidungen in bildungspolitischen Prozessen.
HEM IMPULS 2/2025
Prof. Dr. Dorothea Christ, Leiterin des Hochschulamts des Kantons Zürich:
«Die gesellschaftliche Verantwortung der Hochschulen – die Sicht aus der Politik»
26. Mai 2025 17:05–18:30
Moderation: Barbara Fäh, Rektorin HfH
Politik und Hochschulen: Eine Beziehung auf Augenhöhe?
Die Beziehung zwischen Politik und Hochschulen ist komplex – und zugleich von zentraler Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung. Hochschulen sind nicht nur Orte der Bildung und Forschung, sondern auch wichtige Impulsgeber für Innovation, Standortentwicklung und evidenzbasierte Politikgestaltung.
Doch wie sieht «die Politik» auf die Hochschulen? Die Antwort ist vielschichtig: Auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene bestehen unterschiedliche Zuständigkeiten, Erwartungen und Steuerungsmechanismen. Gleichzeitig agiert die Politik als Milizsystem – geprägt von begrenzter Zeit, hoher Flughöhe und dennoch grosser Entscheidungsmacht.

Gerade deshalb ist das Verhältnis zwischen Politik und Hochschulen ein klassisches People Business: Es lebt von Vertrauen, persönlichem Austausch und gegenseitigem Verständnis. Hochschulen sind gut beraten, aktiv den Dialog zu suchen, Zuständigkeiten zu klären und mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen. Dabei können auch die politischen Verwaltungen als wichtige Vermittlungsinstanzen dienen – mit ihrer Systemexpertise und Kenntnis der politischen Prozesse.
Fazit: Hochschulen sind zentrale Akteure gesellschaftlicher Entwicklung – und ihr Verhältnis zur Politik ist von Chancen, aber auch von Herausforderungen geprägt. Ein konstruktiver Umgang mit politischen Vorurteilen, der gezielte Einsatz von Kommunikationskanälen und die Pflege persönlicher Kontakte sind entscheidend, um die Autonomie der Hochschulen zu wahren und gleichzeitig ihre gesellschaftliche Relevanz sichtbar zu machen. Der Wunsch nach evidenzbasierter Politikgestaltung trifft dabei auf unterschiedliche Rollenverständnisse und Kommunikationslogiken von Verwaltung, Politik und Wissenschaft. Zentral für den Umgang mit politischen Akteur:innen ist etwa:
- die vorgängige Klärung der politischen Zuständigkeit
- eine Kontinuität im Austausch und entsprechend abgestimmte Kommunikation
- die Nutzung von Schnittstellen wie persönliche Mitarbeitende in Bildungsverwaltungen
- ein Bewusstsein für mediale Dynamiken und für Vorurteile gegenüber der Wissenschaft
Der Beitrag hat deutlich gemacht: Hochschulen müssen ihren politischen Handlungsspielraum aktiv gestalten und sich strategisch positionieren – intern wie extern, faktenbasiert und dialogorientiert:
HEM IMPULS 1/2025
Yves Flückiger, Präsident der Akademien der Wissenschaften:
«Die soziale Verantwortung der Hochschulen – die Sicht aus der Wissenschaft?»
19. Februar 2025 17:05–18:30
Moderation: René Graf, Vice-Recteur HES-SO
In einer Zeit tiefgreifender globaler Herausforderungen kommt den Hochschulen eine entscheidende gesellschaftliche Verantwortung zu. Yves Flückiger, Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz, betont in seinem Vortrag bei HEM IMPULS die Notwendigkeit, dass Hochschulen über Lehre und Forschung hinaus aktiv zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen.
Diese Verantwortung manifestiert sich in drei zentralen Bereichen: der wissenschaftsbasierten Politikgestaltung, der Integration von Forschung in die Lehre und der gesellschaftlichen Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse. Flückiger postuliert die essenzielle Position der Wissenschaft für fundierte politische Entscheidungsprozesse. Umso mehr würden Forschende vor der Herausforderung stehen, ihre Ergebnisse transparent und vertrauenswürdig zu vermitteln, um Manipulationen oder Fehlinterpretationen zu vermeiden. Die Integrität der Wissenschaft hängt von Prinzipien wie Transparenz, Reproduzierbarkeit und offener Wissenschaft ab.
Dabei ist die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Politik von besonderer Bedeutung: Forschende müssen informieren, ohne zu beeinflussen, und die Komplexität wissenschaftlicher Erkenntnisse in zugängliche Empfehlungen übersetzen.
Weiter erfordert gemäss Flückiger die Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Hochschullehre eine enge Verknüpfung von Grundlagen- und angewandter Forschung. Hochschulen müssen Studierende nicht nur mit aktuellem Wissen, sondern auch mit kritischem Denkvermögen und interdisziplinären Ansätzen ausstatten. Nur so können sie die kommenden gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen bewältigen.
Und schliesslich spielt auch die Wissenschaftskommunikation eine zentrale Rolle: Hochschulen müssen ihre Erkenntnisse verständlich und zugänglich vermitteln, um Desinformation entgegenzuwirken und das Vertrauen in Wissenschaft zu stärken. Dies erfordert eine innovative Kommunikationsformate sowie eine aktive Zusammenarbeit mit Politik und Medien.
Die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft hängt auch davon ab, so hält Yves Flückiger abschliessend fest, wie gut Hochschulen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Der Schlüssel liegt in der Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, kooperativer Wissensvermittlung und einem offenen Dialog mit der Gesellschaft.
HEM IMPULS 2/2024
Prof. Dr. Manuel P. Stadtmann, FH Ost:
«Psychisches Wohlbefinden 101: Ein Erfolgscode für Schweizer Hochschulen?»
26. Juni 2024, 17:05–18:30
Beitrag in deutsch, Diskussion d/f
Moderation: René Graf, Vice-Recteur HES-SO
Studierende sind vermehrt im Stress. Hochschulen müssen deshalb das Thema der psychischen Gesundheit strukturell aufnehmen.
Die gute Botschaft vermittelte Manuel P. Stadtmann gleich zu Beginn seines Referats: «Vielen Studierenden in der Schweiz geht es gut», so der Leiter des Kompetenzzentrums Psychische Gesundheit an der Ostschweizer Fachhochschule (OST). Doch eben längst nicht allen. Immer mehr Studierende fühlen sich im Studium unter Druck und berichten von mittlerer bis starker Stressbelastung. In der Schweiz selber gibt es noch keine Daten dazu, aber «international betrifft das bis zu 40 Prozent der Studierenden», so Stadtmann. Ursachen hat der Stress viele. Gerade bei Fachhochschulen lässt sich ein ganzes Bündel ausmachen: Die Studierenden absolvieren ein anspruchsvolles Studium, sind parallel häufig beruflich stark gefordert und haben familiäre Verpflichtungen. Eine Herausforderung. «Aber Stress ist nicht per se negativ», betont Stadtmann. Er wird erst dann zum Problem, wenn er die Ressourcen der Studierenden übersteigt, und sie mit dem Druck nicht mehr umgehen können. Hier kommen die Hochschulen ins Spiel. Manuel P. Stadtmann fordert einen Wandel hin zu «positiven Universitäten» und erläutert: «Damit meine ich einen akademischen Raum, in dem auch das Wohlbefinden der Studierenden als explizites Thema Platz haben darf.» Er setzt die Messlatte hoch an: Punktuelle Angebote einer Hochschule wie zum Beispiel der Beratungsstelle oder freiwillige Seminare zu Themen wie Resilienz reichen dafür nicht aus. Vielmehr braucht es eine Kultur des Vertrauens.
Was genau damit gemeint ist und welches die grösste Stellschraube ist, an der die Hochschulen drehen müssten, führt Manuel P. Stadtmann im Gespräch mit Dominik Gyseler von der Wissenschaftskommunikation der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) aus.
Prof. Dr. Manuel P. Stadtmann, Head of the Competence Centre for Mental Health, FH Ost
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
HEM IMPULS 1/2024
lic. phil. Sarah Frédérickx, Leiterin Digital Learning Center, HfH:
«Transformierte Akteure und gewandelte Aufgaben:
Hochschulorganisation mit KI»
7. September 2023, 17:05–19:00
Beitrag in Englisch, Diskussion d/f
Moderation: Barbara Fäh, Rektorin HfH, Vorstand HEM
Künstliche Intelligenz revolutioniert das Hochschulwesen, indem sie Rollen und Interaktionen der Akteure neu definiert. Sie ermöglicht personalisiertes Lernen und effiziente Verwaltung, fordert aber auch eine Neubewertung der Rollen der Akteure. Der Einsatz von KI führt zu einer Verschiebung von traditionellen Lehrmethoden und transformiert die Tätigkeiten des administrativen und technischen Personals, indem sie Prozesse automatisiert und Entscheidungsfindungen unterstützt.
Dies verlangt neue Kompetenzen in der Datenanalyse und Systemwartung, verschiebt Arbeitsinhalte von Routineaufgaben zu strategischer Planung und Entwicklung und erfordert eine kontinuierliche Weiterbildung in digitalen Technologien. Der Wandel fördert eine effizientere Hochschulverwaltung und verbessert die Dienstleistungen für Studierende.
Entspricht dieses Bild des Wandels der Realität? Mit einem Blick zurück in die Vergangenheit und konkreten Beispielen werden die schon so oft gehörten Prognosen kritisch hinterfragt.
Die Präsentation finden Sie hier.
HEM IMPULS 2/2023
Prof. Dr. Thomas Steiner: «KI revolutioniert die Hochschule»
7. September 2023, 17:05–19:00
Beitrag in Deutsch, Diskussion d/f
Moderation: René Graf, Vice-Recteur HES-SO
Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz findet nicht einfach eine Weiterentwicklung in den Hochschulen statt. Vielmehr handelt es sich um eine fundamentale Transformation, wie Thomas Steiner am HEM Impuls vom 7. September 2023 ausführt.
«KI-Tools verändern die Hochschule in einer Weise und Geschwindigkeit, die wir uns nie hätten vorstellen können», sagt Thomas Steiner im Kern seines HEM-Referats zum Thema «Co-Teaching mit Chats, Robotern und intelligenten Studierenden». Und der Experte der HES-SO Wallis liefert eine Reihe von Beispielen für seine steile These: Sei es die Gestaltung der Lehre («Studierende kommen dank KI so gut vorbereitet in den Unterricht wie noch nie»), das Erstellen von Prüfungen («ChatGPT kann ein Problem formulieren, lösen, verfeinern, bewerten») oder auch die Durchführung von Forschungsprojekten («Mit KI kann man in drei Tagen eine ganze Studie nachbauen – Fragestellung, Methode, Design, einfach alles»).
Ein besonders prägnantes Beispiel ist das Vorbereiten eines Referats durch Studierende. Früher brauchten sie Google, Wikipedia und PowerPoint als Werkzeuge – und den eigenen Verstand. Heute läuft alles über KI-Tools, die quasi auf Knopfdruck die gewünschten Resultate liefern. So erstellt ChatGPT auf Befehl die Folien mit den Kernaussagen, QuillBot paraphrasiert den Text so, dass die Benutzung von ChatGPT nicht mehr erkennbar ist, Elicit steuert die Referenzen bei, DeepL übersetzt das Ganze in eine Sprache nach Wahl, und für schüchterne Studierende bietet Synthesia.io eine Reihe von Avataren an, die den Vortrag dann auch grad selber halten. Es ist beeindruckend – und es stellt sich die Frage nach den Konsequenzen. «Die ganze Lehre muss umgestellt werden», sagt Thomas Steiner: «Es wird mehr und mehr zu einem Unterricht auf Augenhöhe, in dem ich nicht mehr nur der Dozierende bin, sondern auch ein Lernender.»
Doch wo bleibt bei den Studierenden das kritische Einordnen, das Verstehen? Oder gleicht der Einsatz von KI-Tools dem Verwenden von Fertigprodukten in der Küche – ist zwar schnell gemacht und schaut gut aus, aber kochen lernt man so ja nicht? Steff Aellig von der Wissenschaftskommunikation der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) hat im Gespräch mit Thomas Steiner kritisch nachgefragt.
Prof. Dr. Thomas Steiner, Head of Cyberlearn, HES-SO Wallis
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
Prof. Dr. Martin Schäfer: «Kultur der Digitalität und Hochschulentwicklung»
30. Mai 2023, 17:05–19:00
Beitrag in Deutsch, Diskussion d/f/e
Moderation: Barbara Fäh, Rektorin HfH und René Graf, Vice-Recteur HES-SO
Die digitale Transformation bringt weitgehende Veränderungen auf technologischer wie auch auf gesellschaftlicher Ebene mit sich. Warum hat die digitale Transformation konkrete Auswirkungen auf eine Hochschule? Wie wirkt sich digitale Transformation auf eine Hochschule aus? In welchen Bereichen werden Weiterentwicklungen der Hochschule notwendig?
Stalder¹ beschreibt in seinem Buch «Kultur der Digitalität» das Lernen und Arbeiten in einer Kultur der Digitalität und führt die Begriffe Referentialität, Algorithmizität und Gemeinschaftlichkeit ein: Verfügbare Informationen und Wissensbestände werden ausgewählt (Referentialität) und in Netzwerken gemeinsam mit anderen bewertet und weiterbearbeitet (Gemeinschaftlichkeit). Dabei helfen algorithmenbasierte Instrumente sowohl bei der Auswahl der Referenzen als auch beim Fällen von Entscheidungen und beeinflussen gleichzeitig sowohl die Vorauswahl der Referenzen als auch die Entscheidungen. Damit verbunden sind wesentliche Prinzipien, die handlungsleitend sind. Lasch² beschreibt, wie in einer Kultur der Digitalität die Prinzipien Vernetztheit, Partizipation, Freigebigkeit, Sichtbarkeit, Transparenz und Zielorientierung an zusätzlicher Bedeutung gewinnen.
Basierend auf den Überlegungen von Stalder und Lasch hat die PHBern vor einiger Zeit ein einfaches Reflexionsmodell entwickelt und damit eine Diskussionsgrundlage zu den einleitend formulierten Fragen gefunden. Martin Schäfer stellt in seinem Kurzreferat das Reflexionsmodell vor und erläutert, wie sich die PHBern im Thema der digitalen Transformation organisatorisch aufgestellt hat.
Prof. Dr. Martin Schäfer ist Rektor der Pädagogische Hochschule Bern.
¹ Stalder, F. (2016). Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp. (Kindle-Ausgabe)
² Lasch, A. (2020). Digitalität – Thematische Einführung. Video-Link
Für die Forschung normal, für die Lehre eine Herausforderung
Hochschulen müssen eine Kultur der Digitalität entwickeln. Wie die PHBern den digitalen Wandel vorantreibt, erklärt Rektor Martin Schäfer am HEM-Impuls vom 30. Mai 2023.
Auf dem Weg zur digitalen Hochschule. Die Welt wird immer digitaler. «Wer eine Kürbissuppe kochen will, geht nicht mehr in den Buchladen und kauft sich ein Kochbuch», sagt Martin Schäfer. Sondern er fragt Google und kriegt innerhalb von Sekunden zahlreiche Rezepte. Der Rektor der PHBern macht dieses Beispiel, um klarzumachen: «Hochschulen haben gar keine Wahl, sie müssen sich dem digitalen Wandel anpassen.» Schon in den ersten Minuten seines Referats im Rahmen der HEM Impulse wird klar, dass der Rektor der PHBern dies nicht als Zwang, sondern als Chance empfindet. Die aktuelle Herausforderung: Die Wucht der digitalen Transformation trifft alle Bereiche der Hochschule, von der Lehre über die Forschung bis hin zur Administration. Damit man sich nicht in Aktionismus verzettelt, sondern systematisch vorgehen kann, haben Martin Schäfer und sein Team ein Reflexionsmodell entwickelt, das auf den Überlegungen des Schweizer Kultur- und Medienwissenschaftlers Felix Stalder basiert. Herzstück des Modells sind eine Handvoll von Prinzipien, welche die Kultur des digitalen Wandels prägen – so etwa Vernetztheit, Sichtbarkeit oder Freigebigkeit. Hier werden an der PHBern systematisch Entwicklungen angeregt – im kleinen Rahmen, Stichwort Verzettelung: «Es sind keine grossen Entwicklungssprünge, sondern kleine Schritte in die intendierte Richtung», ordnet Schäfer diesen Prozess ein.
Reflexionsmodell der digitalen Transformation, PHBern 2022
Forschung hat es in der DNA. Wie das konkret aussieht, zeigt Martin Schäfer beispielhaft anhand der Forschung auf. Dort könne die Kultur der Digitalität nämlich schon gut beobachtet werden, erläutert er und macht dies an den drei oben genannten Prinzipien fest: Man tauscht sich in der Forschung auf allen möglichen digitalen Kanälen schnell und weltweit aus – das ist Vernetztheit. Man teilt seine Forschungsbefunde mit der breiten Öffentlichkeit, etwa über Social Media – das ist Sichtbarkeit. Und man stellt seine eigenen Daten zur Verfügung – das ist Freigebigkeit. Gerade dort sieht Martin Schäfer allerdings eine Nagelprobe, die zeigen wird, wie weit man wirklich ist. Denn das Teilen von Daten, die man in eigener, mühsamer Arbeit zusammengetragen hat, braucht für manche noch Überwindung. Doch Schäfer ist zuversichtlich: «Es gehört letztlich zur Logik der Forschung, dass man alles öffentlich zugänglich macht und dadurch gemeinsames Lernen ermöglicht wird.»
Dozierende und ChatGPT. Schwieriger könnte es im Bereich der Lehre werden. «Was für eine Forscherin normal ist, kann für einen Dozenten oder eine Dozentin bedrohlich sein», weiss Schäfer. Alle seine Inhalte der Präsentationen teilen, nicht mehr alleiniger Experte sein, wenn auch eine Künstliche Intelligenz wie ChatGPT gefragt werden kann – hier sehen sich manche Expertinnen in ihrem Selbstverständnis bedroht. Wie Martin Schäfer die Situation in der Lehre beurteilt und wie er diesen digitalen Wandel an der PHBern begleitet, erzählt er im obigen Video-Interview.
Auf dem Weg zur digitalen Hochschule. Die Welt wird immer digitaler. «Wer eine Kürbissuppe kochen will, geht nicht mehr in den Buchladen und kauft sich ein Kochbuch», sagt Martin Schäfer. Sondern er fragt Google und kriegt innerhalb von Sekunden zahlreiche Rezepte. Der Rektor der PHBern macht dieses Beispiel, um klarzumachen: «Hochschulen haben gar keine Wahl, sie müssen sich dem digitalen Wandel anpassen.» Schon in den ersten Minuten seines Referats im Rahmen der HEM Impulse wird klar, dass der Rektor der PHBern dies nicht als Zwang, sondern als Chance empfindet. Die aktuelle Herausforderung: Die Wucht der digitalen Transformation trifft alle Bereiche der Hochschule, von der Lehre über die Forschung bis hin zur Administration. Damit man sich nicht in Aktionismus verzettelt, sondern systematisch vorgehen kann, haben Martin Schäfer und sein Team ein Reflexionsmodell entwickelt, das auf den Überlegungen des Schweizer Kultur- und Medienwissenschaftlers Felix Stalder basiert. Herzstück des Modells sind eine Handvoll von Prinzipien, welche die Kultur des digitalen Wandels prägen – so etwa Vernetztheit, Sichtbarkeit oder Freigebigkeit. Hier werden an der PHBern systematisch Entwicklungen angeregt – im kleinen Rahmen, Stichwort Verzettelung: «Es sind keine grossen Entwicklungssprünge, sondern kleine Schritte in die intendierte Richtung», ordnet Schäfer diesen Prozess ein.
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
Ariane Dumont: «One year later … Reflection on Emergency Remote Teaching and Online Learning from the Field»
7. April 2022, 17:05–19:00
Krise als Katalysator für Educational Design
Covid ist vorbei – doch die Auswirkungen auf moderne Lehr- und Lehrformen werden jetzt erst deutlich. Welche Lehren man aus der Pandemie ziehen sollte, führte Ariane Dumont am HEM-Impuls vom 7. April 2022 aus.
«Die Pandemie ist vorbei – doch für uns fängt die Arbeit jetzt erst an», sagt Dr. Ariane Dumont. Denn jetzt müsse man die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, um die Entwicklung moderner Lehr- und Lernformen voranzutreiben. Seit dreissig Jahren unterrichtet, berät und forscht die Erziehungswissenschaftlerin über Educational Design. Die letzten zwei Jahre waren für sie aus beruflicher Sicht deshalb besonders spannend. «Die Krise war ein Katalysator für die Entwicklung von modernen Lehr-Lern-Formaten», konstatiert sie am HEM Impuls. Ihre Analyse lässt sich in drei zentrale Punkte gliedern. Erstens: Studierende haben ihre Autonomie im Lernen weiterentwickelt. «Sie haben sich sowohl in ihrer Selbstständigkeit als auch in ihrer Selbstorganisation verbessert», hat Ariane Dumont in einer Befragung herausgefunden. So können sie besser mit Ablenkungen umgehen und haben auch gelernt, sich besser abzugrenzen. Zweitens: Dozierende brauchen die Unterstützung des technologischen Personals. Nur so können sie das Potential neuer digitaler Tools ausschöpfen. Drittens: Moderne Lehr-Lern-Formen sind hybrid. «Der aktuelle Goldstandard ist aus meiner Sicht die sogenannte Masterclass», sagt die Erziehungswissenschaftlerin. Hier wird zunächst das Wissen in Onlinekursen vermittelt, bevor es in Face-to-face-Konferenzen mit Expertinnen und Experten vertieft wird. Abgerundet wird die Lerneinheit mit einem Apéro, um bewusst auch das Soziale zu pflegen. «Während der Pandemie konnten wir viel Erfahrungen darüber sammeln, wie Technologien das Lehren und Lernen beeinflussen», bilanziert Ariane Dumont. Nun müsse man dranbleiben: «Dazu braucht es Ressourcen und eine gute Kultur.»
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
Patrick Furrer : «How can Open Science improve research quality at UAS and UTE?»
21. Februar 2022, 17:05–19:00
Mit dem Schlagwort der «Open Science» wird eine ganz neue Kultur der Wissenschaft bezeichnet: Daten werden gemeinsam genutzt, Publikationen sind frei zugänglich, Peer-Reviews werden transparent gemacht. Dr. Patrick Furrer ist profunder Kenner der schweizerischen und europäischen Forschungslandschaften. In seinem Vortrag bringt er uns auf den aktuellen Stand der Diskussion und gibt Impulse, was «Open Science» für die Hochschule der Zukunft konkret bedeuten kann.
Open Science – ein möglicher «Gamechanger» in der Forschung
Patrick Furrer referierte am HEM-Impuls über eine potentielle Erfolgsgeschichte, die in der Schweiz aber noch geschrieben werden muss.
Mit dem Schlagwort der «Open Science» wird eine ganz neue Kultur der Wissenschaft bezeichnet: Daten werden gemeinsam genutzt, Publikationen sind frei zugänglich, Peer-Reviews werden transparent gemacht. «Open Science hat zum Ziel, die Qualität der Forschung zu steigern», machte Patrick Furrer gleich zu Beginn seines Referats deutlich. Dass dies nicht nur eine Vision ist, sondern teilweise bereits Realität, zeigten die letzten zwei Jahre. «Die Covid-19-Pandemie hat beispielhaft gezeigt, wo der Gewinn dieses Kulturwandels liegen kann», so der profunde Kenner der schweizerischen und europäischen Forschungslandschaften. Und tatsächlich können ausgewählte Elemente von Open Science damit gut demonstriert werden: Die Daten zu SARS-CoV-2 wurden gleich zu Beginn von mehreren internationalen Forschungsgruppen öffentlich zur Verfügung gestellt, damit die Ergebnisse nachvollzogen und sogar reproduziert werden konnten (Open Data). Die Studien wurden bereits als Preprints in der Community breit diskutiert, damit noch vor der Veröffentlichung Verbesserungsvorschläge einfliessen konnten (Open Peer Review). Und die Publikationen waren frei zugänglich (Open Access). Das Ergebnis: Die Entwicklung von Impfstoffen in Rekordzeit.
Eine wahre Erfolgsgeschichte also – und demzufolge die Zukunft in den Schweizer Hochschulen? Diese Einschätzung wäre verfrüht. Zwar treiben die Nationale Open-Access-Strategie sowie die Nationale Schweizer Strategie für Open Research Data von «swissuniversities» die Umsetzungen in der Schweiz kräftig voran. Aber damit der mögliche «Gamechanger», wie Patrick Furrer ihn eingeführt hat, wirklich verankert werden kann, müssen noch verschiedene Hürden übersprungen werden. Ein Hauptproblem liegt im fehlenden Anreiz für die Forschenden selber: Während Open Access Prestige einbringen kann, bringt insbesondere Open Data vor allem zusätzliche Arbeit mit sich. Und potentiell auch Risiken: Warum sollte sich eine Forscherin die Mühe machen, ihre ganzen Daten transparent zu machen, damit dann eine andere Forschungsgruppe davon profitieren und unter Umständen die ganz grosse Publikation lancieren kann? Wie Patrick Furrer dieses Problem einschätzt, erläutert er im folgenden Video-Interview.
Wie knifflig diese Kalibrierung ist, zeigt ein Blick auf die Datenlage. Mitarbeitende sind zufriedener, wenn sie zu gewünschten Teilen im Homeoffice arbeiten können, so viel ist klar. Wie produktiv sie dort sind, weiss man hingegen nicht mit Sicherheit, weil hierzu nur deren eigene Einschätzungen erhoben worden sind. Und in Bezug auf die Innovation fehlen die Daten gänzlich, wenngleich hier die Annahme plausibel ist, dass diese vorwiegend den Austausch vor Ort erfordert. Was heisst das nun konkret für eine Hochschule? Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO). In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, warum es bei der Ausarbeitung dieser neue Formel unerlässlich ist, die Teams einzubinden.
Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO), der den Talk auch geleitet hat. In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, welche Kompetenzen es braucht, um sich auf den Weg zu einer digitalen Lehre zu machen.
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
Hartmut Schulze: «Der passende Mix zwischen Präsenz und mobil-flexibler Arbeitsweise – Herausforderungen und Potenziale für Hochschulen»
7. Dezember 2021, 17:00–19:00
Prof. Dr. Hartmut Schulze arbeitet an der FHNW Hochschule für Angewandte Psychologie zur Analyse und Gestaltung von Arbeits- und Büroräumen, Home Office und mobil-flexibler Arbeit. Er führte erste Studien zum veränderten Arbeitsverhalten während der Pandemie durch, untersucht und begleitet Kooperationsprozesse im digitalisierten Planen und Bauen sowie Mensch-Roboter-Interaktionen in unterschiedlichen Anwendungsfeldern.
«Wir müssen eine neue Formel für die Arbeit finden»
Lehren und Arbeiten an Hochschulen nach Corona: Das neue Normale – Was bleibt und was ändert sich? Diesen Fragen widmet sich die dreiteilige Veranstaltungsreihe «HEM Impuls». In der dritten Veranstaltung referierte Hartmut Schulze über die Chancen und Herausforderungen der von Homeoffice in der Zeit nach der Pandemie.
«Covid ist ein Gamechanger», sagte Helmut Schulze gleich zu Beginn seines Referats: 90 Prozent wollen auch dann noch mindestens teilweise zuhause arbeiten, wenn die Pandemie vorbei ist. Dies zeigte eine Befragung des Forschungsinstituts Sotomo. «Sie fühlen sich autonomer, müssen nicht pendeln und nehmen sich motivierter und produktiver wahr» führte Schulze die wesentlichen Gründe an, die der Experte für mobile und flexible Arbeit in einer eigenen Studie an der FHNW untersucht hat. Ob man im Homeoffice jedoch nicht nur lieber, sondern auch besser arbeitet, hängt stark von der Aufgabe ab.
Kommt drauf an, was der Auftrag ist
Gemäss Hartmut Schulze muss man hier drei Bereiche unterscheiden: Fachliche und administrative Stillarbeiten kann man tatsächlich gut zuhause erledigen, es braucht dazu aber ein «Refugium der Stillarbeit», wie Schulze es nennt. Im Zwischenbereich befinden sich vertrauliche Meetings sowie Seminare und Vorlesungen. Der spontane und informelle Austausch hingegen funktioniert besser vor Ort. Gerade dieser Gewinn aus dem persönlichen Gespräch droht aber verlorenzugehen, wenn zu viele Mitarbeitende zu viel Zeit zuhause verbringen. «Homeoffice wirkt wie eine Zentrifuge», sagt Helmut Schulze: «Eingespielte Teams bleiben zwar auch digital gut im Kontakt, aber übergeordnet findet kaum mehr ein Austausch statt.» Innovative Projekte werden so stark erschwert – dabei ist die Innovationskraft für Hochschulen neben der Produktivität der Mitarbeitenden ein ganz zentrales Kriterium. Für die Gestaltung der Zukunft heisst das: Die Hochschulen müssen kalibrieren, was sie wie hoch gewichten: die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, deren Produktivität und die Innovationskraft der ganzen Organisation. «Wir müssen eine neue Formel für die Arbeit im Homeoffice finden», ist das Fazit von Hartmut Schulze.
Wie knifflig diese Kalibrierung ist, zeigt ein Blick auf die Datenlage. Mitarbeitende sind zufriedener, wenn sie zu gewünschten Teilen im Homeoffice arbeiten können, so viel ist klar. Wie produktiv sie dort sind, weiss man hingegen nicht mit Sicherheit, weil hierzu nur deren eigene Einschätzungen erhoben worden sind. Und in Bezug auf die Innovation fehlen die Daten gänzlich, wenngleich hier die Annahme plausibel ist, dass diese vorwiegend den Austausch vor Ort erfordert. Was heisst das nun konkret für eine Hochschule? Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO). In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, warum es bei der Ausarbeitung dieser neue Formel unerlässlich ist, die Teams einzubinden.
Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO), der den Talk auch geleitet hat. In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, welche Kompetenzen es braucht, um sich auf den Weg zu einer digitalen Lehre zu machen.
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
Mark Brown: «Post-pandemic transformation of higher education institutions: challenges and drivers»
28. September 2021, 17:00–19:00
Prof. Mark Brown, Direktor des National Institute for Digital Learning an der Dublin City University (DCU), digitale Leadership Expertise in hochschulweiten Digitalisierungprojekten, Implementierungen und Evaluationen von «Digital Learning and Teaching» Initiativen, Tätigkeiten und Einsitz in internationalen Gremien zur digitalen Hochschullehre.
«Digitales Lernen muss intentional sein»
Lehren und Arbeiten an Hochschulen nach Corona: Das neue Normale – Was bleibt und was ändert sich? Diesen Fragen widmet sich die dreiteilige Veranstaltungsreihe «HEM Impuls». In der ersten Veranstaltung referierte Mark Brown über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in der Zeit nach der Pandemie.
Brainstorming via «Teams», «MOOCs» für die Masse, hybrider Unterricht – digital ist überall, gerade nach Corona. Und kaum einer wäre prädestinierter als Mark Brown, die Bedeutung digitalen Lernens für die Zukunft zu untermauern. Der Neuseeländer ist Direktor des National Institute for Digital Learning an der Dublin City University und hat weltweit eine Reihe von Digitalisierungsprojekten begleitet. Sein Fazit? «Es gibt gutes und schlechtes Unterrichten. Die Art der Vermittlung – also online oder offline – ist nicht entscheidend für die Qualität des Erlebens von Studierenden», so Brown. Denn digitales Lernen muss intentional sein, das heisst: zielgerichtet eingesetzt werden, fordert er. Was dies für die Zeit nach der Pandemie bedeutet, führt er im nachfolgenden Video aus. Dieses Video wurde nicht während des HEM-Referats aufgezeichnet, sondern ist auf Mark Browns Website publiziert.
Im Rahmen des neuen Online-Formats «HEM Impuls» hat er konkretisiert, wie digitales Lernen funktionieren sollte. Seine Argumentation lässt sich in drei Punkten zusammenfassen. Erstens: Das digitale Lernen hat nicht prinzipiell einen Mehrwert, sondern es muss gezielt eingesetzt werden – eben intentional. Und zwar dort, wo es das pädagogische Setting anreichert. Das klingt erstmal recht banal und unaufgeregt, ist aber im Hype des Digitalen, der zuweilen zu beobachten ist, doppelt zu unterstreichen. Zweitens: Man muss viel stärker von den Lernenden ausgehen und nicht von den Dozierenden aus denken. Auch diese Forderung ist weitreichender, als sie zunächst klingt. Für manch eine Lehrperson ist das Unterrichten von zuhause aus niederschwelliger, weil der Arbeitsweg wegfällt und man auch Inhalte vorproduzieren kann. Für die Studierenden hat das aber nicht immer einen Mehrwert. «Lehrpersonen brauchen einen pädagogischen Kompass», fordert Brown deshalb. Dieser Kompass, der unten abgebildet ist, unterscheidet verschiedene Lernformen. Auf der Basis dieser Lernformen kann das pädagogische Setting definiert werden. Und erst jetzt – drittens – kommen die einzelnen digitalen Möglichkeiten ins Spiel. Diese können nun gezielt eingesetzt werden, um einen Mehrwert zu schaffen. Und nur dann.
Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO), der den Talk auch geleitet hat. In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, was es braucht, um eine digitale Kultur in der ganzen Institution zu verankern.
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
